Vom Lauftreff Schwanewede zum Triathlon
Wie ein Bänderriss Sascha Hoinkiss auf den Weg zum Triathlon brachte – und warum die Challenge Roth sein großes Ziel ist
Schwanewede. Vor gut einem Jahr konnte Sascha Hoinkiss kaum laufen. Heute trainiert der Schwaneweder bis zu 14 Stunden pro Woche für den Traum von der Langdistanz. Weitere Wettkampfstarts stehen bevor – und langfristig die Teilnahme an einem der bekanntesten Triathlonrennen der Welt: der Challenge Roth.
Der Weg dorthin begann ausgerechnet mit einer Verletzung.
Aus der Verletzung wurde eine Chance
Im vergangenen Jahr riss sich Hoinkiss während eines Laufwettkampfs in Gainesville, Florida, ein Außenband. Laufen war plötzlich keine Option mehr. Er suchte nach einer Möglichkeit, fit zu bleiben – und entdeckte das Schwimmen für sich.
Gemeinsam mit seinem Freund Timo Göllner startete er wenig später beim Ötillö Swimrun auf Rügen. Göllner, selbst Triathlet, brachte anschließend die entscheidende Idee ins Spiel.
„Timo hat mich praktisch mit dem Triathlon-Virus angesteckt“, erzählt Hoinkiss. „Irgendwann stand dann das Rennrad bei uns im Haus.“
Zwölf bis vierzehn Stunden Training pro Woche
Seitdem bestimmt der Triathlon einen großen Teil seines Alltags. Inzwischen trainiert Hoinkiss rund zwölf bis vierzehn Stunden pro Woche. Schwimmen, Radfahren, Laufen und Krafttraining müssen dabei mit Beruf, Familie und Alltag vereinbart werden.
Viele Laufeinheiten absolviert er weiterhin beim Lauftreff des TV Schwanewede. Auf dem Rad und im Wasser trainiert er häufig gemeinsam mit Timo Göllner, dessen Erfahrung ihm Orientierung gibt. Beim Laufen ist regelmäßig seine Trainingspartnerin Alisa Arfmann dabei, die sich parallel auf den Bremen-Marathon vorbereitet.
„Ohne meine Familie wäre dieser Aufwand nicht möglich“, sagt Hoinkiss. „Sie trägt das Ganze mit.“
Rückschläge auf dem Weg
Ende 2025 warf ihn ein Bandscheibenvorfall zurück. Intensive Einheiten waren vorübergehend nicht mehr möglich, Intervalle und Sprints mussten gestrichen werden.
Nach dem Bandscheibenvorfall versuchte er sich beim 10.000 m Lauf in Abu Dhabi an einem Comeback – musste das Rennen jedoch vorzeitig beenden.
„So ein Abbruch beschäftigt einen schon“, sagt Hoinkiss. „Man investiert viel. Wenn man dann nicht ins Ziel kommt, muss man das erst einmal verarbeiten.“
Neun Wochen lang lief er nicht. Stattdessen konzentrierte er sich auf Schwimmen und Radfahren, bevor er Schritt für Schritt ins Lauftraining zurückkehrte. Lange Läufe über 30 Kilometer gehören inzwischen wieder zum Programm.
„Die Verletzung hat mich verlangsamt, aber nicht gestoppt.“
Die größte Herausforderung rollt auf zwei Rädern
Das Laufen liegt ihm seit Jahren. Auch im Wasser fand er sich schnell zurecht. Auf dem Rennrad begann er dagegen praktisch bei null. Aeroposition, Klickpedale und lange Ausfahrten waren ungewohnt, zwei Stürze blieben nicht aus.
Inzwischen sind Touren über 85 Kilometer absolviert, die 100-Kilometer-Marke ist in Reichweite. Sein Rennrad ließ er individuell auf seine Bedürfnisse anpassen.
„Das Radfahren ist noch meine größte Baustelle“, sagt er. „Aber genau dort habe ich auch das größte Entwicklungspotenzial.“
Erste Wettkampferfahrungen gesammelt
Beim Einhorn-Wettkampf am Bremer Stadtwaldsee sammelte Hoinkiss erstmals Erfahrungen unter Wettkampfbedingungen. Das Ergebnis war ihm dabei weniger wichtig als die Erkenntnis, dass der Weg, den er vor Monaten eingeschlagen hat, funktioniert.
Kurzfristig musste der Veranstalter das Rennen wegen eines Blaualgenbefalls im Sportparksee aus Gesundheitsgründen in einen Duathlon umwandeln. Die Schwimmstrecke entfiel vollständig und wurde durch einen zusätzlichen Lauf ersetzt. Statt der ursprünglich vorgesehenen Sprintdistanz gingen die Teilnehmer über 2,5 Kilometer Laufen, 20 Kilometer Radfahren und weitere 5 Kilometer Laufen an den Start.
Für Hoinkiss bedeutete das zwar wertvolle Wettkampferfahrung, zugleich fiel ausgerechnet der Wechsel vom Schwimmen aufs Rad weg – einer der Abläufe, auf den er mit Blick auf die kommenden Triathlonstarts besonders gespannt gewesen war.
„Für mich war das trotzdem ein Wechselzonen-Praktikum“, sagt er. „Ich wollte erleben, wie sich das anfühlt – und welche Anfängerfehler man macht.“
Trotzdem durfte sich der Schwaneweder über einen gelungenen Einstand freuen: In einer Gesamtzeit von 1:19:30 Stunden belegte er Rang 25 im Gesamtklassement und wurde Dritter der Altersklasse M40.
Leipzig als nächster Meilenstein
Nach dem Einhorn-Duathlon folgen Starts beim Silbersee-Triathlon und beim Gewoba City Triathlon Bremen, beide über die olympische Distanz mit 1,5 Kilometern Schwimmen, 40 Kilometern Radfahren und 10 Kilometern Laufen.
Der Saisonhöhepunkt wartet Ende August mit dem Ironman 70.3 Leipzig: 1,9 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer Radfahren und ein Halbmarathon.
Das Ziel heißt Roth
2027 möchte Hoinkiss erstmals die Langdistanz in Angriff nehmen – und sein Wunschrennen steht fest: die Challenge Roth. Für viele Triathleten gilt die Veranstaltung als Sehnsuchtsort ihres Sports. 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und ein Marathon machen sie zu einem der bekanntesten Langdistanz-Triathlons der Welt.
Und Gainesville?
„Dort habe ich noch eine Rechnung offen“, sagt Hoinkiss. „2027 will ich zurück.“